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Regulierung

Polens Glücksspielsteuer befeuert den Schwarzmarkt trotzt steigender Umsätze

28. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Polens Glücksspielsteuer befeuert den Schwarzmarkt trotzt steigender Umsätze

Hohe Steuersätze machen legales Glücksspiel in Polen zunehmend unattraktiv. Branchenkenner warnen, dass der Schwarzmarkt bis 2025 massiv wachsen wird.

Polen hat sich zu einem der am schnellsten wachsenden Glücksspielmärkte in Europa entwickelt, doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Lizenzierte Betreiber klagen darüber, dass das aktuelle Steuersystem sie gegenüber illegalen Plattformen völlig chancenlos lässt. Es ist ein klassisches Dilemma: Die Einnahmen steigen, aber gleichzeitig verliert der regulierte Sektor immer mehr Boden an unregulierte Anbieter. Wer legal in Polen wetten will, muss oft mit schlechteren Konditionen leben als bei der Konkurrenz aus dem Ausland.

Das Kernproblem liegt in der Art der Besteuerung. Statt den Bruttospielertrag, also den Gross Gaming Revenue (GGR), zu besteuern, hält Polen an einer Umsatzsteuer von 12 Prozent fest. Das bedeutet, dass die Steuer fällig wird, noch bevor Gewinne an die Spieler ausgezahlt sind. Für Buchmacher führt das zu einer extremen Unsicherheit. Um profitabel zu bleiben, müssen sie ihre Margen deutlich höher ansetzen als in anderen europäischen Ländern. Der Kunde merkt das sofort an den schlechteren Quoten. Wer gewinnt, wird zudem noch einmal zur Kasse gebeten, bevor das Geld ausgezahlt wird.

Zahlen und Fakten

Die Prognosen für die kommenden Jahre zeichnen ein zweigeteiltes Bild. Laut H2 Gambling Capital wird der Sportwettensektor in Polen bis 2026 einen Bruttospielertrag von etwa 1,62 Milliarden Euro generieren. Das basiert auf einem geschätzten Umsatz von stolzen 5,07 Milliarden Euro. Rechnet man das nach, ergibt sich eine implizite Marge von rund 32 Prozent. Das ist ein Wert, der weit über dem liegt, was in den meisten regulierten Märkten Europas üblich ist. Für 2024 erwartet man für den gesamten Markt, also Online und Landbasiert zusammen, einen GGR von fast 5 Milliarden US-Dollar.

Besorgniserregend ist jedoch die Entwicklung des Schwarzmarktes. Während die Kanalisierungsquote bei Sportwetten zwischen 78 und 88 Prozent liegt, sieht es beim Online Casino düster aus. Hier liegt der Anteil der legalen Umsätze bei gerade einmal 59 Prozent. Studien haben gezeigt, dass die Mehrheit der polnischen Online Casino Spieler Konten bei nicht lizenzierten Betreibern führt. Schätzungen gehen davon aus, dass sich der unregulierte Sektor zwischen den Jahren 2017 und 2025 verdoppelt hat.

Hintergrund

Die Wurzeln dieser strengen Regulierung reichen bis in das Jahr 2009 zurück. Damals erschütterte der sogenannte Blackjack-gate Skandal das Land und führte zu einer drastischen Verschärfung der Gesetze. Seit 2017 hält das staatliche Unternehmen Totalizator Sportowy zudem ein striktes Monopol auf Online Casinos. Private Anbieter dürfen lediglich Sportwetten anbieten. Die Branche kritisiert dieses Monopol scharf, da es Spieler fast schon dazu zwingt, auf Offshore Plattformen auszuweichen, wenn sie Casinospiele bei ihrer vertrauten Wettmarke nutzen wollen.

Die politische Lage lässt wenig Hoffnung auf schnelle Besserung zu. Da die Steuereinnahmen trotz der Probleme sprudeln, sehen die großen Parteien keinen Handlungsbedarf. Vor den Parlamentswahlen im Jahr 2027 wird kaum mit einer Reform gerechnet. Themen wie nationale Sicherheit und Verteidigungsausgaben stehen derzeit ganz oben auf der Agenda, während Glücksspielreformen kaum Beachtung finden. Einige Beobachter blicken nun gespannt auf Finnland, das sein Monopol aktuell auflöst. Dies könnte als Vorbild für Polen dienen, falls das finnische Modell erfolgreich ist.

„Österreichs aktuelles Monopolmodell sticht auf der europäischen Regulierungskarte zunehmend als Relikt hervor. Es ist eine der wenigen verbleibenden Jurisdiktionen, die ein Monopol aufrechterhalten, insbesondere im Online Glücksspielsektor, wo nationale Grenzen funktional irrelevant geworden sind.“ - Arthur Stadler, Gründer der Kanzlei Stadler Partner

Was heißt das für deutsche Spieler?

Deutsche Spieler befinden sich in einer völlig anderen Situation als ihre polnischen Nachbarn, auch wenn der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) ebenfalls sehr streng ist. In Deutschland gibt es kein Staatsmonopol für Online Casinos, stattdessen können private Anbieter Lizenzen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) erwerben. Das schafft einen Wettbewerb, der in Polen fehlt. Dennoch ist die Kanalisierung auch hier ein Thema. Durch die harten Einsatzlimits von maximal 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten und dem Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS System fühlen sich manche Nutzer eingeschränkt.

Im Vergleich zu Polen ist die deutsche Regulierung jedoch stärker darauf ausgelegt, faire Wettbewerbsbedingungen für lizenzierte Firmen zu schaffen, während der Spielerschutz durch Sperrsysteme wie OASIS zentralisiert wird. Wer in Deutschland bei einem GGL-lizenzierten Anbieter spielt, genießt volle Rechtssicherheit. In Polen hingegen ist der Weg zum illegalen Anbieter für Casino Fans oft der einzige, um eine breite Auswahl an Spielen außerhalb des Staatsbetriebs zu finden. Das deutsche Modell der Whitelist sorgt dafür, dass Spieler genau wissen, wer legal agiert, was in Polen durch das Monopol weitaus unübersichtlicher ist.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz in Deutschland ist die Situation in Polen eine Warnung. Sie zeigt, dass staatliche Monopole und eine Besteuerung nach Umsatz statt nach Ertrag den Kanalisierungserfolg massiv gefährden können. Deutsche Anbieter profitieren davon, dass sie Teil einer klaren Whitelist sind, müssen aber die strengen technischen Anforderungen von LUGAS und die Steuerlast verkraften. Während in Polen der Schwarzmarkt den legalen Sektor fast einzuholen droht, bleibt Deutschland durch die Öffnung für private Online Casinos einen Schritt voraus. Dennoch zeigt das Beispiel Polen, dass Überregulierung oder ein veraltetes Steuersystem die Abwanderung in den unregulierten Raum beschleunigen kann. Für GGL-Casinos bedeutet das, dass sie weiterhin mit Qualität und Sicherheit gegen den Schwarzmarkt bestehen müssen, während der Gesetzgeber hoffentlich erkennt, dass zu enge Grenzen die Spieler zurück in die Illegalität treiben könnten.

Quellen & weiterführende Links

In Kategorie:Regulierung & Lizenzen
In Land:Polen

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